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Prof. Dr. Karl Löwith (Universität Heidelberg)

Vorwort zu:

Gott, Mensch und Welt in der Metaphysik von Descartes bis zu Nietzsche

(Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1967)


Der Verfasser hat erstmals im letzten Kapitel seines Buches "Von Hegel zu Nietzsche" die Problematik des Christentums in der Philosophie nach Hegel zum Thema gemacht und dann, in "Weltgeschichte und Heilsgeschehen", die theologischen Voraussetzungen der Philosophie der Geschichte in der kritischen Absicht, die Möglichkeit einer eigenständigen Geschichtsphilosophie in Frage zu stellen; in ihren bisherigen Formen war sie von einem verweltlichten Glauben an ein künftiges Heil und die Erfüllung eines Sinnes getragen. Die hier folgende Darstellung der Geschichte der Philosophie von Descartes bis zu Nietzsche hat die kritische Absicht, die theologischen Implikationen der gesamten nachchristlichen Metaphysik herauszustellen, um zu zeigen, daß und weshalb sich die Metaphysik, die bislang das dreieinige Verhältnis von Gott, Mensch und Welt betraf, auf den Bezug von Mensch und Welt reduziert hat. Das sachlich führende Problem, um das es dieser historischen Darstellung geht, ist in dem Wegfall Gottes und in dem Wort "Atheismus" beschlossen. Indem sich die christliche Botschaft vom Reich Gottes von der Kosmotheologie der Griechen und der moderne, emanzipierte Mensch von der biblischen Anthropotheologie befreit hat, in welcher Mensch und Gott eine Partnerschaft bilden, erhebt sich Nietzsches Frage: "Wozu überhaupt Mensch?"

Der historisch unzeitgemäße Abschluß mit einem Kapitel über Spinoza soll darauf hinweisen, daß die Geschichte der Philosophie kein kontinuierlicher Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit ist, wenn das, worauf es ankommt, die wahre Erkenntnis der einen und immer gleichen Natur alles Seienden ist. Der in Wahrheit "fortgeschrittenste" Gedanke kann ein historisch weit zurückliegender sein, aber gerade deshalb noch eine Zukunft haben, wogegen es mit der metaphysischen Theologie von Descartes bis zu Hegel und ihren Gottesbeweisen vorbei ist. Unsere Darstellung der Geschichte der nachchristlichen Metaphysik mag insofern eine Einführung in die Philosophie sein, welche aus ihrer theologisch belasteten Tradition ins Freie hinaus führt.

Carona, im Sommer 1966.